am 26. Dezember 2009
Konfrontation mit der Realität
Da ist sie nun, die schöne Weihnachtszeit. Ich sitze hier auf der schwäbischen Alb, bei Sonnenschein und weißer Winterlandschaft in Mitten der gesamten Familie. Genau so habe ich mir die vier Tage, die wir uns seit Donnerstag an Urlaub gönnen, vorgestellt. Etwas Abstand bekommen von Büro, Cashflow und Vertrieb……hatte ich mir so gedacht, ja.
Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, ist die geballte Ladung Wahrheit, die einem genau während dieser Tage ins Gesicht “schlägt”.
Der Cousin, der damals, als man selbst das Vordiplom in der Tasche hatte, gerade mal sein Abi gemacht hat, steigt jetzt nach seinem Studium mit einem Gehalt ins Berufsleben ein, von dem wir hier vermutlich auch in zwei Jahren noch träumen werden. Dementsprechend stolz die Ausführungen der Eltern. “Ja, dann haben sie ihn gefragt, ob er nicht bei ihnen bleiben wolle und ihm sofort einen Arbeitsvertrag auf den Tisch gelegt.”
“Wie läufts eigentlich bei Euch im Geschäft? Finde ich ja echt mutig, dass Ihr Euch während so einer Krise selbständig macht!” kommt dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als nächtes.
Und als man stolz erklärt, dass man die ersten Erfolge in Aussicht hat und auch fürs neue Jahr einige wichtige Entscheidungen anstehen, wird einem klar, wie wenig Eindruck dieser für einen selbst so entscheidende Meilenstein auf andere macht. Da hören sich “50k Einstiegsgehalt” natürlich schon einiges beeindruckender an.
Wieso einem das egal sein sollte
Ich muss gestehen, im ersten Moment kam kurz der Gedanke auf, wieso wir uns diesen Stress überhaupt geben. Umso froher war ich, als mir im direkt anschließenden Moment die Antwort in den Sinn schoss: “Ja, dann haben sie ihn gefragt, ob er nicht bei ihnen bleiben wolle und ihm sofort einen Arbeitsvertrag auf den Tisch gelegt.” ……………… ein “Arbeitsvertrag”……………ein Vertrag, der Dir sagt, wie Du zu arbeiten hast und woran Du Dich halten musst. Natürlich gibt Dir dieser ARBEITSVERTRAG Sicherheit und lässt Dich kalkulieren. Nichts desto trotz ist er, was er ist: ein Vertrag. Ein Stück Papier, das nach Deiner Unterschrift dokumentiert, dass Du Dich an die Regeln und Vorgaben des Arbeitgebers hältst, deren Tragweite Dir in diesem Moment vermutlich noch nicht 100%ig klar sind.
Für viele mag das kein Problem sein. Aber für mich wäre es, nach all den Erfahrungen, die ich in meinem bisherigen (wenn auch kurzen) Angstelltendasein gemacht habe, in dem Moment, in dem ich meinen “Servus” unter die unzähligen Absätze packe, mit der Kreativität und “Macher-Freude” vorbei.
Wer als Gründer in naher oder ferner Zukunft mit ähnlichen, wahrheitserzwingenden Situationen wie ich während dieser Weihnachtszeit (OLÉ OLÉ, das alljährige Abi-Jahrgangstreffen steht heute Abend erst noch an! :-) ) konfrontiert ist, dem kann ich nur einen Rat geben: überlegt Euch, welche Entscheidungen Ihr bisher in Eurer Selbständigkeit getroffen habt, völlig egal, ob sie richtig oder falsch waren. Überlegt Euch, welchen Reiz die Ungewissheit ausgemacht hat, ob man nun die richtige Entscheidung getroffen hat. Denkt darüber nach, welch geniales Gefühl es war, rauszufinden, dass es die richtige Entscheidung war. Denkt genauso darüber nach, was Ihr für Euch persönlich und auch für Euer Unternehmen aus den Folgen einer falschen Entscheidung mitgenommen, gelernt habt.
Und jetzt überlegt Euch all diese Szenarien und deren Folgen, wenn Ihr einen ARBEITSVERTRAG statt eines GbR-/GmbH-Vertrages unterschrieben hättet. Wäre es das gleiche Gefühl? Im Positiven UND AUCH im Negativen? Hättet Ihr in der gleichen Zeitspanne genauso viel für und über Euch selbst gelernt? Hättet Ihr Euch persönlich genauso weiter entwickelt? Würdet Ihr Dinge, im Privaten wie im Geschäftlichen, genau so sehen, wie Ihr sie jetzt seht?
Ich für meinen Teil kann diese Fragen alle eindeutig beantworten – und darum bin ich wirklich froh! Denn nur so kann ich, sobald der letzte Christstollen gegessen ist, mit noch mehr Elan und Spaß an unsere Sache gehen.
Und etwas gelernt hat man auch schon wieder: erst die harte Realität zwingt einen, Dinge wirklich intensiv zu durchdenken, die unbedingt nötigen, nächsten Schritte zu sehen und brauchbare Antworten auf unangenehme Fragen zu finden. Das gilt nicht nur bei der Produktentwicklung, sondern kann auch ins (private) Leben übertragen werden.
Unter dem Jahr mit einem “YEAH, ich bin Gründer, ich baue ein Unternehmen auf-Grinsen” im Büro aufzulaufen ist das eine. Dieses Grinsen aber bei konkreten Nachfragen von Freunden, Verwandten und Bekannten beizubehalten, das andere.

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