am 21. Dezember 2009
Vergangenen Freitag waren wir bei Parklifetools zur Präsentation Ihres Scratchpen eingeladen. Neben lecker Häppchen und Live-Vorführung Ihres Tools gab es eine Diskussionsrunde bzgl. Tipps und Vorschlägen zum weiteren Vorgehen.
Dabei kam die Frage auf, wie das gute Stück denn nun am geschicktesten unters (arbeitende) Volk gebracht werden könnte. Die Meinungen fasse ich hier mal kurz zusammen:
- Integration von Community-Features, um über das Freemium-Modell zunächst “Kostenlos-Nutzer” anzuziehen, die dann über kurz oder lang, da sie ihre Dokumente privat anstatt in der Community haben wollen, zur Bezahl-Version wechseln.
- Sofortige PR über große Zeitungen, Online-Portale, Blogs und XING, um die nötige kritische Masse möglichst schnell zu bekommen.
- Persönliche Ansprache von Agenturen und/oder Designern während der kommenden Wochen, um ihnen das Produkt zu präsentieren und Marktfeedback einzuholen.
Wer uns kennt und ab und an hier mitliest wird sich ungefähr vorstellen können, welche der drei Positionen wir vertreten haben. Richtig, weder Position 1 noch Position 2.
[Edit 23.12.09 13:35: Der nun folgende Abschnitt bezieht sich ausschließlich auf unsere Meinung bzgl. des Vertriebs von Software as a Service an Kleinstunternehmen/Freelancer. Im Offline- und traditionellen Software-Bereich gelten sicherlich grundsätzlich andere Regeln.]
Unserer Meinung nach sollte ein Produkt, das bisher keinerlei Feedback potenzieller Nutzer hat, zunächst eben genau jenen Nutzern vorgestellt werden. Nach Möglichkeit sogar auf persönlichem Wege um eine möglichst enge Bindung zu den Erstinteressenten (ich drücke mich bewusst um das Wort “Beta-Tester”, weil es dank zahlreicher zwonull-Modelle für mich irgendwie einen negativen Touch bekommen hat) aufzubauen.
Dadurch bekommt man Feedback zu Funktionen, Darstellung und Positionierung des eigenen Produkts, ohne die unheimliche Kraft der PR-Maschine zu verheizen. Denn egal wie “fertig” man das eigene Produkt findet – die eigene Sicht wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht dieselbe sein, die wirkliche, zahlende (!!) Kunden haben. Bevor ich diese Sicht aber von den Massen reingeknallt bekomme, die eine Berichterstattung in der WiWo zur Folge hat, teste ich das Ganze lieber zunächst im kleinen Kreis.
Vorschlag zur zeitlichen Abfolge ab “Fertigstellung” (sowas gibts eh nicht) des Produktes:
Phase 1 (1. bis 12. Woche):
- Vermarktung des Produkts an Einzelpersonen/-agenturen mit Aufbau eines möglichst persönlichen Kontaktes durch Beschränkung auf den eigenen geografisch sinnvollen Aktionsradius (JA, auch von denen darf man schon Geld verlangen!).
Phase 2 (13. bis 24. Woche):
- Ansprache potenzieller Kunden außerhalb des eigenen, geografischen Handlungsradius.
- Aufbau von Kontakten zu Journalisten und/oder Bloggern (auf Content achten – Werbung mag keiner!)
Phase 3 (alles was anschließend kommt):
- Lieferung von wirklich gutem, da ehrlichem und selbst verfasstem Content an Multiplikatoren.
Sicherlich scheiden sich die Geister und jeder hat seinen eigenen Weg, sein Produkt zu vermarkten. Das ist auch gut so. Allerdings verstehe ich persönlich nicht wirklich, wieso ich für o.g. Punkte einen Vertriebsberater bezahlen sollte.
Heutzutage ist der Zugang zu Multiplikatoren doch verhältnismäßig einfach. Die meisten “PR-Konkurrenten” liefern eh nur Standardcontent und man kann sich mit etwas Kreativität herausstellen. Da zählt auch die Ausrede “Naja, es ist halt nicht meine Art, Leute anzurufen und ihnen was zu verkaufen” in meinen Augen nicht. Entweder ich will mit irgendwas Geld verdienen und mache den ganzen Dreck durch, der dazu gehört und weiß anschließend, wo der Hase langläuft, oder ich mache es als Hobby.
Dabei maße ich mir in keinster Weise an, auch nur halbwegs die Vermarktungsweisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Ganz im Gegenteil, ich muss mich nach wie vor überwinden, Leute anzurufen und ihnen am Telefon zu erklären, dass ich für etwas, das ihnen Mehrwert bietet, tatsächlich Geld verlange. PR hingegen ist weit anonymer und deshalb angenehmer – dafür aber auch bei Weitem strategischer einzuordnen.
Doch mit jedem Telefonat wird man ein kleines Stück schlauer. Egal ob Entwickler oder rosa-Hemden-Träger.
Sollte jemand einen Bekannten/Verwandten haben, der ohne Trial-and-Error wusste, wie Vermarktung funktioniert, freue ich mich hiermit höchstoffiziell über eine Kontaktanbahnung! Denn von diesem jemand könnte man sicher so einiges lernen – so es ihn denn tatsächlich gibt……..
[Edit 22.12.09 09:53: Gerade diesen Artikel hier über Startups im stealth mode gelesen. Sind einige interessante (und allzu richtige) Aspekte drin. Mit am besten gefällt mir angesichts des oben verfassten Artikels folgender Abschnitt:
"There is no linear ROI in PR, which can be hard for techies to understand. It’s all about relationships and patience."]

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