von Michael Krause am 2. Juli 2009

Viele Startups, v.a. im Web, halten mit ihrem Geschäftsmodell hinterm Busch bis sie wirklich live gehen bzw. einen Prototyp vorzeigen können. Die Begründung bei den allermeisten:

“Wir haben doch so unglaublich Angst vor den bösen Copycats!”

“Jemand anderes schnappt uns den First-Mover-Effekt weg!”

Ich weiß nicht wie Ihr das seht, aber in meinen Augen ist das, entschuldigt die verbale Entgleisung, absoluter Bullshit!

Denken wir mal nach: jemand veröffentlicht ein Geschäftsmodell, stellt sein Team vor und präsentiert die Gedanken und Ideen, die es schon gibt. Was müsste anschließend passieren? Genau, ein anderer liest davon und denkt sich “Hey, ich Fuchs, das mach ich doch genauso!”

OK, was dann?

Er muss sich erstmal in die Idee eindenken, ein Team finden, ganz banal vielleicht ein Büro suchen (falls er das möchte). Marketingaktionen planen. Strukturen aufbauen und Prozesse definieren. Ansonsten hat das Ganze ohnehin keinen ernsthaften Wert und stellt keine Konkurrenz zum Urheber der Idee dar.

Während also das achso gemeine Copycat all dies innerhalb von, sagen wir mal 4 Monaten tut, ist der Ideenurheber schon um……………..na? – genau! 4 Monate weiter. Strukturen existieren, Prozesse sind definiert, das Team bestand ohnehin schon, Aufgabenfelder sind verteilt, die ersten Kunden sind eventuell bereits akquiriert und der Presseapparat rödelt. Kurzum: es handelt sich nicht mehr um eine Idee, sondern um ein Unternehmen. Wenn er sich nicht ganz doof anstellt, haben auch schon die ersten Blogs und Fachblätter Berichte veröffentlicht. Weiter sollten bald folgen.

Was passiert nun, wenn der Nachahmer am selben Punkt ist? In den Blogs wird er es schwer haben. Magazine werden sicher nicht nochmal die gleichen Berichte veröffentlichen. Kunden stehen schon in Kontakt mit Unternehmen-Alphawolf, undundund.

U.a. aus diesem Grund haben wir unsere Idee schon veröffentlicht. Wir bekommen wertvolles Feedback. Mails von Menschen, die unsere Idee gut finden, von anderen, die unsere Beschreibung nicht verstehen und wieder anderen, die einfach nur Fragen genereller Natur haben. Unsere XING-Profile werden häufiger gesucht, Gründer aus der direkten Umgebung kommen auf einen Kaffee vorbei, Geldgeber (staatlicher Natur) bewerten den frühen Marktauftritt positiv, etc. etc. etc. Ist das nicht perfekt? Man wird wahrgenommen, ohne dass man ein Produkt vorzuweisen hat!

Wovor haben also nun all die Startups im Stealthmode wirklich Angst?

Meiner Meinung nach gibt es nur eine logische Erklärung: vor Leuten, die besser sein könnten. Teams, die die eigene Idee so weiterführen könnten, dass der Nutzen für die Kunden noch größer wird.
Doch legt der Restaurantbesitzer keine Speisekarten auf die Tische weil er Angst hat, jemand könnte eine davon mitnehmen und direkt gegenüber genau die selbe Art Restaurant aufmachen?

Sollte jemand onchestra.com auf Grund unser Veröffentlichungen erfolgreicher umsetzen können als wir, tut er es wohl und wir sind schlichtweg nicht gut genug gewesen.

Da wir uns auf die ganze Sache aber nicht eingelassen hätten, wenn wir mit diesem Gedanken spielen würden, werden wir in den kommenden Wochen unseren kompletten Geschäftsplan, der als Grundlage fürs Exist-Stipendium dienen wird, veröffentlichen und zur Diskussion freigeben. Denn wir sind uns sicher: die Vorteile, die wir durch Feedback und Anmerkungen bekommen werden, überwiegen die (potenziellen) Nachteile bei Weitem!

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Absolut richtige Gedanken.

Ein weiterer Punkt, warum man nicht paranoid sein und sich früh nach Aussen öffnen sollte:
im jetztigen Stadium gibt es noch nicht viel, das man wirklich klauen könnte – es gibt einen groben Plan, aber wie das dann alles von euch realisiert wird, das wird sich in Zukunft noch stark ändern – und genau diese Realisierung ist es, die über den Erfolg bzw. Misserfolg entscheidet! Jemand, der sagt: “Ok, die Idee nehme ich und mache meinen eigenen Laden auf”, der hat noch nicht viel gewonnen.

Ich bin jedenfalls gespannt auf euren Geschäftsplan!
Constantin

2. Juli, 2009 17:30

Hi Constantin,

da gebe ich Dir vollkommen Recht – aktuell haben wir (ausser unzähligen Zeilen Code) noch nichts, das uns alleinstellt. In 1-2 Monaten sieht das anders aus.

Was mir gestern auf dem Heimweg auch noch einfiel: es kommt auf den Grips des “Klauers” und die Komplexität der (zu klauenden) Idee an.

Habe gerade ein Video mit Robert Basic gesehen, in dem er offen über sein Projekt berichtet und ganz richtig formuliert, dass das technische Grundgerüst an sich eigentlich völlig egal ist (http://www.gruenderszene.de/interviews/was-macht-eigentlich-robert-basic/) – auf die Vermarktung kommt es an.
Ich bin sicher es gibt hunderte an Programmieren, die das buzzriders-Konzept nachahmen könnten. Doch ohne den Namen hinter dem Projekt wird es schwer, das Ganze an die Frau/den Mann zu bringen.

3. Juli, 2009 12:26

Sehe ich auch so ;) Deshalb gibts bei uns zumindest nen preblog und für ausgewählte Leute schon eine Demo…

3. Juli, 2009 17:05

Hallo Roland,

die Möglichkeit, Alltags- und Designgegenstände individuell konfigurierbar zu machen finde ich faszinierend – auch wenn es für mich kein Geschäftsmodell wäre, mit dem ich mich selbständig machen würde. Habt Ihr nicht einen unheimlich hohen Vorfinanzierungsbedarf bei dem Ganzen? Oder gehen die Bestellungen direkt an den Hersteller?

Die Darstellung gefällt mir jedenfalls gut. Allerdings schreibst Du in Deinem ersten Blogeintrag “So viel sei allerdings jetzt schon verraten[...]” (http://www.woonio.com/preblog/?paged=2).

Ich gehe davon aus, Ihr setzt schon lange um?! Wieso beginnt Ihr “erst” jetzt mit der Publikation? Oder habt Ihr schon vorher Kontakt zu Kunden, Produzenten und Multiplikatoren aufgenommen?

3. Juli, 2009 17:14

Und was ist, wenn Microsoft von der Idee hört und sich denkt. Hmm da stecke ich mal die lächerliche Summe von 5 Mio rein?

9. Juli, 2009 12:26

Hallo “copycat”,

MSFT hat das Potenzial, das in Anwendungen für KMUs liegt bereits erkannt und bietet entsprechende Lösungen an (siehe u.a. http://www.microsoft.com/germany/kmu/default.mspx).
Implementierungskosten für einen Exchange-Server für ein ca. 20-köpfiges Team: 40 000 Euro (grob).
Selbst wenn Microsoft nun auch noch in den Online-Anwendungsbereich für Businesskunden geht: es gibt 3,3 Millionen KMU in Deutschland. Viele davon haben jahrelange Erfahrung mit MSFT-Produkten und einfach die Nase voll. Selbst wenn die Anwendungen entsprechend performant wären, könnte MSFT nicht mit einem Schlag 3,3 Mio (abzgl. Nicht-IT-nutzenden) Unternehmen abgreifen.
Auch die Frage nach der Kreativität beim MSFT-Koloss bleibt zunächst offen. Kann die MSFT-Mannschaft, die von den von Dir genannten 5 Mio bezahlt wird, genauso die Nöte von KMUs einsehen, wie freie/angestellte Entwickler, die nach Möglichkeit viele Jahre Erfahrung in einer Branche haben?
Ich glaube, selbst neben MSFT ist der Kuchen für Unternehmen, die flexibel und offen sind, noch groß genug.

Um auf Deine Frage zu antworten: wir würden damit umgehen müssen :-)

Grüße

9. Juli, 2009 12:52

Hi Michael,

wir arbeiten schon seit über einem Jahr an dem Konzept. Dadurch dass wir die offline-Welt mit der online-Welt verbinden müssen (Produktion offline – Darstellung online) viele Dinge geklärt und abgestimmt werden. Zudem ist die technische Entwicklung in diesem Bereich (3D im Web) noch nicht so fortgeschritten bzw. einfach umzusetzen wie “einfache” PHP Plattformen oder sowas. Ja ich habs mir auch überlegt mit dem selbstständig machen in diesem Bereich aber ich find ihn spannend und er ist noch sehr jungfreulich im Web – also Möbel online anzubieten – zudem noch individuell. Allerdings auch sehr zeitaufreibend und schwieriger in der Logistik und Produktion.
Finanzierungsbedarf ist enorm ja – die Bestellungen gehen direkt (nach einer Prüfung) an die Hersteller.
Wir haben viel Zeit in die Entwicklung gesteckt – Kontakte und Zielgruppen sind natürlich schon angegangen worden. Nun ist es an der Zeit das Baby langsam im netz bekannt zu machen bzw. demnächst online zu schalten ;)

Grüße

Roland

10. Juli, 2009 13:08

Hallo Roland,

da sind wir gespannt auf den Launch, drücken die Daumen und freuen uns über eine Nachricht, sobald Ihr live geht!

Grüße und viel Erfolg!

10. Juli, 2009 13:12

Hier kommt die Nachricht ;) Wir sind endlich online – lang hats gedauert – und fertig sind wir wohl nie ;)

8. August, 2009 14:59

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